Getriebeöle für Kraftfahrzeuge von ADDINOL

ADDINOL Getriebeöle bieten für nahezu jeden Anwendungsfall eine zuverlässige Schmierlösung. Hierzu zählen hochbelastete Hypoidgetriebe, synchronisierte und nicht-synchronisierte Schalt- & Lenkgetriebe sowie Verteilergetriebe von PKW, LKW, Traktoren, Forst- und Baumaschinen sowie stationären Anlagen.

Getriebeöle von ADDINOL erfüllen selbst extremste Anforderungen. Sie schützen effektiv vor Verschleiß und sorgen auch im Kaltstart für ein ideales Reibverhalten. Zudem gewährleisten unsere Getriebeöle sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Temperaturen eine optimale Viskosität. So sorgen beispielsweise unser Multi Transmission Fluid 75 W 80 oder unsere Getriebeöle der GH Reihe für eine maximale Lebensdauer Ihrer Getriebe.

Ihre Vorteile auf einen Blick: 

  • hervorragende Fließeigenschaften
  • optimiertes Reibverhalten
  • geeignet für höchste Beanspruchung bei hohen und niedrigen Temperaturen
  • zuverlässiger Schutz vor Verschleiß und Korrosion für längste Getriebelebensdauer
  • verlängerte Ölwechselintervalle
  • maximale Energieeffizienz durch sichere und zuverlässige Schmierung
  • exzellenter, persönlicher Service durch unsere Anwendungstechnik
Schaltgetriebe in einem Audi
Klassisches Schaltgetriebe mit sechs Gängen (Audi)

Wissenswertes über Getriebeöle

Anforderungen an Getriebeöle

Die Schmierung eines Getriebes stellt besondere Ansprüche an den eingesetzten Schmierstoff. Beim Ineinandergreifen der belasteten Zahnflanken wirkt ein hoher Druck auf den Schmierstoff, der dennoch konstant einen Schmierfilm bilden muss, um die Reibpartner voneinander zu trennen. Treffen die Metallflächen direkt aufeinander, kann ein Reibungszustand (Mischreibung) entstehen, bei dem durch verstärkten Verschleiß die Zahnoberflächen stark beschädigt werden. Dadurch entstehen Schäden, die bis zum Ausfall eines Getriebes führen können. Getriebeöle müssen das verhindern.

Die wichtigsten Anforderungen an Getriebeöle sind:

  • Schmierung der Reibpartner
  • Verträglichkeit mit Dichtungsmaterialien
  • Optimiertes Reibverhalten für Schaltvorgänge
  • Kühlung des Getriebes durch Wärmetransport zum Gehäuse
  • Schutz vor Korrosion, Verschleiß, Ablagerungen und Schaum
  • Optimale Viskosität für Hochtemperatur- und Kältefließvermögen
  • Widerstand gegen Alterung durch Oxidation und Temperaturschwankungen

Getriebeöle werden in nahezu allen Kraftfahrzeugen benötigt. So gibt es Getriebeöle für Autos, LKWs, Traktoren und Motorräder. In den Fahrzeugen kann es wiederum mehrere unterschiedliche Getriebearten geben. Schaltgetriebe, Differentiale oder Achsgetriebe benötigen jeweils spezielle Schmierstoffe. Hinzu kommt die Unterscheidung zwischen Getriebeölen für manuelle Schaltgetriebe und verschieden Arten von Automatikgetrieben.

Schaltgetriebe Sportwagen offen
Offenes Getriebe eines Sportwagens

Zusammensetzung von Getriebeölen

Getriebeöle bestehen wie Motorenöle aus Grundölen (mineralisch oder synthetisch) und Additivkombinationen, die auf die besonderen Belastungen im Einsatz zugeschnitten ist. Der Herstellungsprozess eines Getriebeöls unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von dem anderer Automotive-Öle. Im Vergleich zu Motorenölen kann jedoch der Additivanteil deutlich höher sein, da bei Getriebeölen in Nutzfahrzeugen Wechselintervalle von bis zu 750.000 km vorgesehen sind.

Sehr wichtig ist der Einsatz von EP-Additiven. Damit kann ein Verschweißen der metallischen Reibpartner verhindert werden. Achsgetriebe erfordern einen hohen Anteil an EP-Additiven, die meist aus Phosphor- und Schwefelkomponenten bestehen. Schwefelkomponenten können jedoch Korrosions- und Alterungsprobleme verursachen, weshalb mit Korrosionsinhibitoren und Antioxidantien entgegengewirkt werden muss. Dieses einfache Beispiel zeigt schon, dass Additive in Schmierstoffen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen. Hier braucht es Erfahrung und Versuche um als Schmierstoffhersteller ein optimales Zusammenspiel der Additive im Öl zu finden. Überdosierungen durch Zugabe von zusätzlichen Additiven beim Endanwender können die Vorteile eines gezielt abgestimmten Getriebeöls jedoch schnell ins Gegenteil kehren.

Zusätzlich müssen Getriebeöle hohen und niedrigen Temperaturen gewachsen sein, Korrosion verhindern und Fremdstoffe aus dem Ölkreislauf entfernen.

Wichtige Additive in Getriebeölen sind:

  • EP-Additive (Extreme Pressure – zum Schutz vor Verschweißen)
  • AW-Additive (Anti Wear – zum Schutz vor Verschleiß)
  • Reibwertoptimierer (nicht immer der niedrigste, sondern ein optimaler Reibwert ist wichtig)
  • Entschäumer (Verringerung der Schaumbildung)
  • Korrosionsinhibitoren (Minderung der Korrosion und Neutralisation von Säuren)
  • Viskositätsindex-Verbesserer (Optimierung des Viskosität-Temperatur-Verhaltens)
  • Pour-Point-Verbesserer (Verbesserung des Tieftemperaturverhaltens)
  • Antioxidantien (Reduzierung der Ölalterung)

Viskosität von Getriebeölen

Die richtige Viskosität eines Getriebeöls trägt maßgeblich dazu bei, die erforderliche Schmierfilmdicke im Getriebe aufrechtzuerhalten. Sie beschreibt vereinfacht den inneren Widerstand, den ein Öl dem Fließen entgegensetzt. Für KFZ-Getriebeöle wird sie weltweit nach dem amerikanischen Standard SAE J306 (Society of Automotive Engineers) in Viskositätsklassen eingestuft. Es gibt Viskositätsklassen von SAE 80 bis SAE 250. Die Einstufung erfolgt dabei anhand der kinematischen Viskosität (gemessen in mm²/s) bei 100°C. Je höher die Zahl, desto dickflüssiger ist das Öl.

Ähnlich den Motorenölen gibt es auch hier Viskositätsklassen für den Tieftemperatureinsatz, gekennzeichnet mit dem Buchstaben „W“ von 70W bis 85W (fließfähig bis -55°C bzw. -12°C). Diese „W“- oder Winter-Klassen stufen die Öle nach Fließfähigkeit bei niedrigen Temperaturen ein. Die Einstufung erfolgt anhand der Temperatur, bei der die dynamische Viskosität, die mit einem Brookfield-Viskosimeter gemessen wird, den Wert von 150.000 mPa*s nicht überschreitet. Folglich darf bei einem KFZ-Getriebeöl SAE 80W bei -26°C der Brookfield-Wert nicht höher als 150.000 Millipascalsekunden sein.

SAE-KlasseNiedrigtemperatur Viskosität bei 150.000 mPa·s in °CMin. Viskosität bei 100 °C in mm²/sMax. Viskosität bei 100 °C in mm²/s
70W-554,1-
75W-404,1-
80W-267,0-
85W-1211,0-
80-7,0< 11,0
85-11,0< 13,5
90-13,5< 18,5
110-18,5< 24,0
140-24,0< 32,5
190-32,5< 41,0
250-41,0-

Bei Mehrbereichsölen wie 80W-90 beschreibt dann die „80W“ die Tieftemperatureigenschaften, die „90“ die Dicke des Öles. Die Grenzwerte beider Klassen müssen eingehalten werden. Noch immer sehr weit verbreitet sind Getriebeöle mit SAE 80W-90 und 85W-90, die hauptsächlich aus mineralischen Grundölen hergestellt werden. Dickere Öle wie 80W-140 benötigen zusätzlich einen scherstabilen Viskositätsindexverbesserer um die Kälteanforderungen bis -26°C zu erreichen. Begibt man sich in niedrigere Temperaturbereiche mit 75W oder 70W bei einer Viskositätslage von SAE 90 oder höher, dann steigt der Formulierungsaufwand schnell an. Hier werden synthetische Grundöle nach API Gruppe III, IV oder V benötigt um die Fließfähigkeit eines KFZ-Getriebeöles auch noch bei bis zu -55°C gewährleisten zu können.

Die Wahl der Viskosität richtet sich nach den Erfordernissen an eine optimale Schmierfilmdicke für das jeweilige Getriebe. Ist die Viskosität zu hoch, muss das Getriebe gegen die Zähflüssigkeit arbeiten. Es entstehen höhere Planschverluste, die den Wirkungsgrad reduzieren, und höhere Temperaturen, die das Öl schneller altern lassen. Ist die Viskosität jedoch zu niedrig, kann die erforderliche Schmierfilmdicke zur Trennung der Reibpartner nicht erreicht werden. Dann droht eine Schädigung durch schnelleren Verschleiß bei Mischreibung. Welche Viskosität für Ihr Getriebe geeignet ist, wird von jeweiligen Fahrzeughersteller vorgeschrieben. Richten Sie sich nach den Vorgaben in Ihrer Betriebsanleitung oder vertrauen Sie der Beratung durch die Experten unserer Anwendungstechnik.

Klassifizierung von Getriebeölen nach API

Das American Petroleum Institute (API) legt nicht nur internationale Spezifikationen für Motorenöle fest. Die API hat mit der Einordnung von Automotive-Getriebeölen in sechs GL-Klassen (Gear Lubricant) die gebräuchlichste Klassifizierung vorgegeben, die je nach Einsatzbereich die entsprechenden grundlegenden Anforderungen definiert. Je nach Belastung, die im Getriebe vorherrschend ist, wird eine andere Zusammensetzung der Additive erforderlich.

Eine Übersicht gibt folgende Tabelle:

API-KlasseAnwendungZusammensetzung
GL-1 (inaktiv)Öle für Schaltgetriebe mit niedriger Flächenpressung und niedrigen Gleitgeschwindigkeitenunlegierte Öle ausreichend, Antioxidantien, Korrosionschutzadditive, Entschäumer oder Pour-Point-Erniedriger können eingesetzt werden. Reibwertverbesserer und EP Additive sind nicht erlaubt
GL-2 (inaktiv)Öle in Schneckengetrieben für Achsen in Kraftfahrzeugen, die von API GL 1 hinsichtlich Last, Temperatur und Gleitgeschwindigkeiten nicht abgedeckt werdenÖle mit verschleißmindernden Additiven, aber ohne Anforderungen an EP-Additivierung
GL-3 (inaktiv)Öle für Schaltgetriebe und Kegelradgetriebe in LKWs unter leichten bis mittleren Drehzahlanforderungen und LastenÖle mit EP-Additiven für höheres Lasttragevermögen als API GL-1 Öle, aber unterhalb der Anforderungen für API GL-4
GL-4Öle für Kegelrad- und Hypoidgetriebe in Antriebsachsen unter leichten Last- und Drehzahlbedingungen sowie für ausgewählte Schalt- und Transaxle-GetriebeÖle mit EP-Additiv-Anteil über GL-3-Niveau mit Anforderungen an Korrosionsschutz
GL-5Öle insbesondere für Hypoidgetriebe (Differenzial) in KFZ-Achsantrieben bei hoher Drehzahl und/oder niedriger Drehzahl und hohen DrehmomentenÖle mit hohem EP-Additiv-Anteil und Anforderungen an Korrosionsschutz und Alterungsstabilität
GL-6 (inaktiv)Öle für Getriebe mit sehr großem Ritzelversatz (die Bauweise hat sich nicht durchgesetzt – für API GL-6 erforderliche Performance-Tests sind nicht mehr verfügbar)Öle mit sehr hoher EP-Additivierung über das API-GL-5-Maß hinaus
MT-1Öle für nichtsynchronisierte Schaltgetriebe in Bussen und LKWsÖle mit längerer thermischer Stabilität, Dichtungsverträglichkeit sowie höherem Korrosions- und Verschleißschutz als es Öle nach API GL-4 oder GL-5 erreichen können

Die API-Klassen GL-1, GL-2, GL-3 und GL-6 sind 1995 als „inaktiv“ eingestuft worden. Getriebeöle können jedoch weiterhin mit diesen Bezeichnungen vermarktet werden.

Wichtiger Hinweis:

Es ist nicht empfehlenswert, Getriebeöle unterschiedlicher API-Klassen untereinander zu vermischen. Auch sollten Herstellerangaben nicht ignoriert werden. Wenn Ihr KFZ ein Öl der API-Klasse GL-5 benötigt, sollte kein Öl der Klassen GL-3 oder GL-4 eingefüllt werden. Die Öle GL-3/4 sind mit ihrer Additivierung den hohen Belastungen nicht gewachsen und können beschleunigten Verschleiß nicht verhindern. Füllen Sie wiederum ein Öl mit Klasse GL-5 in ein Schaltgetriebe, welches für GL-3 oder GL-4 ausgelegt ist, kann die meist geringere Reibung zu einem Durchrutschen der Synchronisierung in der Schaltung führen. Damit erliegt im schlimmsten Fall die ganze Schaltung.

OEM Leistungsklassen

Die Einstufung nach SAE und API bildet nur eine sehr einfache Grundlage. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Getriebeölen wird durch das Erfüllen zusätzlicher Spezifikationen bestimmt, die direkt von Getriebe- oder Fahrzeugherstellern (OEMs = Original Equipment Manufacturers) vorgegeben werden. OEMs legen Anforderungen für spezielle Getriebe- oder Fahrzeugtypen einer Marke fest. Achten Sie beim Kauf von Getriebeölen daher auf entsprechend geforderte Spezifikationen oder Freigaben. Richten Sie sich nach den Vorgaben in Ihrer Betriebsanleitung oder vertrauen Sie der Beratung durch die Experten unserer Anwendungstechnik.

Wichtige OEM-Leistungsklassen von Getriebeölen sind:

  • Mercedes-Benz Betriebsvorschriften
  • MAN-Werknormen
  • ZF TE-ML
  • VW-Normen
  • Scania STO
  • Volvo STD

Bei Fahrzeugen mit Automatikgetrieben sind General Motors und Ford führende Hersteller. Ihre Systeme rund um die Spezifikationen GM DEXRON und FORD MERCON waren wegweisend und werden auch heute noch von OEMs adaptiert. Allerdings wurden sie vielfach durch individuelle Spezifikationen von OEMs abgelöst. Individuelle Leistungsklassen für ATFs werden u.a. auch von Mercedes-Benz, VW und vielen asiatischen Herstellern herausgegeben. Die API-Klassen gelten hingegen nicht für Automatikgetriebe.

Automatic Transmission Fluids – ATF

In Europa sind circa 35% und weltweit schon über 50% aller PKWs mit Automatikgetrieben ausgestattet. Die Tendenz ist steigend, denn moderne Automatikgetriebe sind effizient und sportlich und zwar weitgehend unabhängig vom Bauprinzip. Hier unterscheidet man zwischen drei Systemen, die jeweils eigene Vor- und Nachteile aufweisen sowie spezielle Anforderungen an das Öl stellen. Es gibt Wandlerautomatiken (AT - am weitesten verbreitet), Doppelkupplungsgetriebe (DCT – auch gängig und immer beliebter) und stufenlose Getriebe (CVT – Continuously Variable Transmissions – geringer Marktanteil, beliebter in Asien).

Offenes Automatikgetriebe bei einem PKW
Darstellung eines offenen Automatikgetriebes
TypVorteileNachteileAnforderungen an das Öl
Wandler-Stufenautomatik
  • Hoher Anfahr- und Rangierkomfort
  • Gewohntes Schaltgefühl
  • Höchste Drehmomente
  • Geringerer Wirkungsgrad
  • Großer Bauraum
  • Gutes Reibverhalten
  • Hohe thermische Stabilität
  • EP- und AW-Eigenschaften
  • Gute Wärmeabfuhr
  • Niedrige Viskosität bei hoher Scherstabilität
  • Elastomerverträglichkeit
Doppelkupplungsgetriebe
  • Sportlicheres Schaltverhalten
  • Hoher Fahrkomfort
  • Hohe Drehmomente
  • Kompakte Bauweise
  • Nachteile bei Hinterachs- oder Allradantrieb
  • Stabiles Reibverhalten bei Nasskupplung
  • Thermische und oxidative Stabilität
  • EP- und AW- Eigenschaften
  • Niedrige Viskosität bei hoher Scherstabilität
  • Elastomerverträglichkeit
CVT
  • Gute CO2-Effizienz
  • Kleiner Bauraum
  • Geringerer Wirkungsgrad
  • Ungewohntes Geräuschverhalten
  • Kein Schaltgefühl
  • Stabiles Reibverhalten
  • Thermische und oxidative Stabilität
  • Exzellentes Schaumverhalten
  • Hoher Verschleißschutz
  • Gute EP-Eigenschaften
Zusammensetzung eines Automatic Transmission Fluids
Vereinfachte Darstellung der Zusammensetzung eines ATF

Für eine optimale Funktionsweise der unterschiedlichen Typen von Automatikgetrieben werden unterschiedliche Automatikgetriebefluide (ATFs) verwendet. Die ATFs werden auf die Anforderungen der Getriebe hin optimiert, denn sie übernehmen vielseitigere Aufgaben als klassische KFZ-Getriebeöle. ATFs sind Arbeitsmedien für interne Hydraulikkreise (z. B. Ventilbewegungen), gewährleisten die richtige Reibung der Lamellenbremsen und –kupplungen bei den Schaltvorgängen, schützen die einzelnen Getriebestufen und Lagerstellen vor Verschleiß und Korrosion oder dienen in Wandlerautomatiken als Druckübertragungsmedium der Drehmomentwandler.

Ziel moderner Automatikgetriebe ist nicht nur ein erhöhter Fahrkomfort, sondern auch eine verbesserte Kraftübertragung, die wiederum einen geringeren Kraftstoffverbrauch und weniger Emissionen zur Folge hat. Zur Erfüllung all dieser Aufgaben benötigen ATFs ein individuell abgestimmtes Additivverhältnis, das sich deutlich von Ölen für Achsgetriebe oder Handschaltgetriebe unterscheidet.

Schaltung Automatik im Auto
Typische Schaltung eines Automatikgetriebes

Getriebeöl nachfüllen

Getriebeöl kann ähnlich dem Motorenöl durch andauernde Belastung oder durch Leckagen an Volumen verlieren. Wenn der Ölstand im Getriebe zu stark sinkt, tritt eine mangelhafte Schmierung ein, die Verschleiß und Korrosion im Getriebe begünstigt.

Die Ölstandsmessung in einem Getriebe ist nicht immer problemlos möglich. Schaltgetriebe haben in der Regel keinen Ölmessstab. Das Öl wird vom Hersteller eingefüllt und muss normalerweise nur gewechselt werden, wenn Reparaturen am Getriebe nötig werden (sogenannte Lifetime-Füllung, dazu im Abschnitt „Getriebeöl wechseln“ mehr). Falls Ihr Schaltgetriebe jedoch Geräusche von sich gibt oder regelmäßig hakt, lohnt es sich, dies von einer Werkstatt überprüfen zu lassen. Das können Anzeichen von Additivabbau sein. Es kann aber auch auf niedrigen Ölstand hindeuten. In dem Fall kann der Ölstand aufgefüllt werden, bevor langfristige Schäden entstehen. Gegebenenfalls lässt sich auch ein Problem beheben, dass zum Rückgang des Ölstandes geführt hat. Wenn ein Auto Getriebeöl verliert, kann das folgende Ursachen haben:

  • Defekte Dichtungsringe auf der Kupplungsseite (Öl tritt zwischen Motor und Getriebegehäuse aus)
  • Leck an der Ölablass- und Einfüllschraube oder Gehäusedichtung (Öl tritt am Antrieb oder der Gelenkwelle aus)

Automatikgetriebe verfügen oftmals über einen Ölmessstab. Wo dieser zu finden ist, steht im Betriebshandbuch. Falls Ihr PKW nicht mit einem Ölmessstab ausgerüstet ist, kann der Füllstand möglicherweise über eine elektronische Vorrichtung geprüft werden. Eine manuelle Prüfung in einem versiegelten Getriebe empfehlen wir nicht. Das ist ein komplizierter Prozess, der gute Handwerksfähigkeiten voraussetzt. Lassen Sie den Ölstand in dem Fall von einer Werkstatt prüfen, z.B. im Zuge der jährlichen Durchsicht.

Sollten Sie einen Ölmessstab für Ihr Getriebe haben, können Sie den Füllstand wie am Motor ablesen. Ziehen Sie den Ölmessstab heraus, säubern Sie ihn und führen Sie ihn erneut ein. Im Anschluss erkennen Sie den Füllstand an der Markierung. Ist der Ölstand im Getriebe tatsächlich zu niedrig, so füllen Sie das passende Getriebeöl in kleinen Mengen nach. Überprüfen Sie zwischendurch immer wieder den Ölstand, bis die gewünschte Menge im Getriebe ist. Zu viel Öl sollte ebenfalls nicht eingefüllt werden, da der Öldruck dann nicht mehr korrekt ist. Das Ablassen des Getriebeöls ist außerdem recht kompliziert.

Reperatur Automatikgetriebe (CVT)
Reparatur eines Automatikgetriebes (CVT)

Getriebeöl wechseln

Auch bei KFZ-Getrieben können Ölwechsel notwendig werden. Sogenannte Lebensdauerfüllungen sind je nach Hersteller auf eine durchschnittliche Lebensdauer der Fahrzeuge von etwa 80.000 bis 150.000 km ausgelegt. Bestimmte Getriebetypen verlangen kürzere Intervalle (z. B. 60.000 km bei Doppelkupplungsgetrieben). Nicht selten erreichen Pkws aber die doppelte bis dreifache Laufleistung. Erst recht bei Lkw mit Wechselintervallen von Getriebeölen nach 150.000 bis 750.000 km Laufleistung sind im Fahrzeugleben mehrere Ölwechsel erforderlich. Auch bei Autos, die solche Kilometerstände nicht so schnell erreichen, bietet sich alle sechs bis acht Jahre ein Wechsel des Getriebeöles an, da Grundöle und Additivierung durch wechselnde Umgebungsbedingungen Alterungseffekten unterliegen können. Das Getriebeöl verändert nach langer Einsatzdauer seine Viskosität und kann dann den erforderlichen Schmierfilm nicht mehr zuverlässig aufbauen. Es führt die Wärme nicht mehr ausreichend ab oder kann nicht mehr genügend Druck aufbauen. Thermische Beanspruchung oder Kondenswasser können zu Additivabbau führen, was wiederum ruckelnde Schaltvorgänge verursachen kann. Lassen Sie den Ölstand im Getriebe also gerade bei älteren Autos regelmäßig überprüfen. Als grober Richtwert für das Wechselintervall eines Getriebeöls gilt eine Fahrleistung von 80.000 Kilometern. Richten Sie sich nach den Vorgaben in Ihrer Betriebsanleitung.

Natürlich ist es möglich, einen Wechsel des Getriebeöls selbst durchzuführen. Das ist jedoch wesentlich aufwändiger als bei einem Wechsel des Motoröls. Der Vorgang erfordert entsprechendes Werkzeug (Ölwechselgerät und Hebebühne), Fachwissen und Handwerksgeschick. Manche Getriebe müssen beispielsweise ausgebaut werden für einen Wechsel. Wir empfehlen daher, dass Sie den Getriebeölwechsel lieber in einer Werkstatt durchführen lassen. Dort gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Ablassen des Getriebeöls und Einfüllen des frischen Öls. Der Nachteil ist, dass Altöl im verschachtelten Aufbau des Getriebes hängen bleibt und somit weiterhin Schadstoffe im Getriebe verbleiben. Die Variante ist jedoch weniger aufwändig und kostengünstig.
  2. Der komplette Ausbau des Getriebes samt restloser Entfernung des Altöls durch eine Spülung. Die Variante ist kostspielig, da zeitaufwändig, aber dafür wesentlich gründlicher.

Die Kosten für den Komplettwechsel des Getriebeöls unterscheiden sich je nach Fahrzeugtyp. Der Vorgang ist auf jeden Fall günstiger, als die Anschaffung eines neuen Getriebes, sollte es durch Mangelschmierung beschädigt werden.

Was passiert, wenn Getriebeöl in den Motor gelangt?

Durch Unachtsamkeit kann passieren, dass beim Nachfüllen von Motoröl aus Versehen Getriebeöl eingefüllt wird. Das ist nicht optimal, aber erstmal kein Grund zur Panik. Wie beschrieben ist Getriebeöl dem Motoröl im Aufbau ähnlich. Durch die andere Viskositätslage und Additivierung ist es jedoch nicht empfehlenswert, einen Motor über längere Zeit mit Getriebeöl laufen zu lassen. Um Motorschäden oder Beeinträchtigung der Abgasnachbehandlung auszuschließen, sollte zeitnah eine Werkstatt besucht und ein Ölwechsel durchgeführt werden. Sind Sie gezwungen, mit dem Getriebeöl im Motor zu fahren, besteht keine Gefahr, dass der Motor sofort zum Erliegen kommt. Besonders nicht, wenn der Anteil von Getriebeöl im Motor nur bei 10-20% liegt. Längere Strecken sollten dennoch vermieden werden.

Getriebeöl entsorgen

Sollten Sie einen Getriebeölwechsel selbst durchführen, müssen Sie sich auch um die richtige Entsorgung des Altöls kümmern. Bei Getriebeölen gelten dieselben Bestimmungen wie bei Motorölen. Fangen Sie das Altöl in einem bruchsicheren Behälter auf. Geben Sie es kostenfrei an den Verkäufer zurück (heben Sie dafür unbedingt den Kassenbeleg auf). Dieser ist gesetzlich dazu verpflichtet, das Altöl in der gleichen Menge wie verkauft anzunehmen. Diese Regelung gilt zwar auch für den Internethandel, aber meist trägt hier der Kunde die Kosten für den Rückversand des Altöls. Paketdienstleister stufen Öl üblicherweise als Gefahrgut ein, was den Versand umständlich und teuer macht. Kleinere Mengen Altöl können auch beim örtlichen Wertstoffhof oder an einigen Tankstellen abgegeben werden. Informieren Sie sich beim Betreiber, ob Kosten entstehen. Keinesfalls dürfen Sie das alte Getriebeöl in den Hausmüll oder die Umwelt kippen. Gelangt Öl ins Grundwasser, können tausende Liter sauberes Trinkwasser kontaminiert werden. Es drohen Gesundheitsschäden für Mensch und Tier. Wer bei der unsachgemäßen Entsorgung von Altöl ertappt wird, muss zudem mit hohen Bußgeldern rechnen. Lassen Sie den Wechsel des Getriebeöls von einer Werkstatt vornehmen, müssen Sie sich keine Gedanken um die Entsorgung des Altöls machen. Dieses wird von der Werkstatt automatisch der fachgerechten Entsorgung zugeführt.