Brauchen Elektroautos Öl?

Es ändern sich teilweise die Anforderungen an die Schmierstoffe, aber Elektroautos werden weiterhin Öl benötigen. Das gilt zum Beispiel für Bauteile wie Getriebe, Radlager und Klimaanlage. Das klassische Motoröl, wie es in Verbrennungsmotoren gebraucht wird, wird jedoch in E-Autos nicht mehr eingesetzt.

Da die Achsen bei Elektroautos über einen Akku mit Energie versorgt und angetrieben werden, fallen die beweglichen Teile, die ein Verbrennungsmotor zum Antrieb benötigt, wie Kolben und Zylinder, weg. Im Elektromotor gibt es demnach keine Reibpartner, die eine Schmierung benötigen.

Elektroauto an Ladestation
Elektroautos tanken an Ladestationen auf
Welche Schmierstellen gibt es bei Elektroautos?

In einem Elektroauto gibt es weiterhin einige Bauteile, die Schmierstoffe benötigen. Dazu zählen:

  • Getriebe
  • Zentralverriegelung und sonstige Sensormotoren
  • Wälzlager im Elektromotor
  • Klimaanlage
  • Radlager
  • ABS/ESP
Schmierstellen eines Elektroautos
Darstellung der Schmierstellen im E-Auto

Schmierstellen von Elektroautos, Hybridautos und Autos mit Verbrennungsmotor im Vergleich

In der nachfolgenden Tabelle listen wir wichtige Schmierstoffe fürs Auto auf und fassen kurz zusammen, ob der Schmierstoff noch benötigt wird und es ggf. Besonderheiten gibt. Dabei werden die Antriebsarten Elektromotor, Hybridmotor und Verbrennungsmotor verglichen.

Schmierstoff Verbrennungsmotor Hybridmotor Elektromotor
Motoröl Wird benötigt Wird benötigt, je nach Bauweise wird normales Mehrbereichsöl oder 4-Takt-Öl benötig Wird nicht benötigt
Getriebeöl Wird benötigt Wird benötigt Wird benötigt, mit neuen Anforderungen
Schmierfette Wird benötigt Wird benötigt Wird benötigt, mit neuen Anforderungen
Hydrauliköl Wird benötigt Wird benötigt Wird benötigt
Funktionsflüssigkeiten wie Kühlmittel, Bremsflüssigkeit usw. Wird benötigt Wird benötigt Wird benötigt, im gesteigerten Ausmaß
Wie unterscheidet sich das Öl für Elektroautos vom Öl für Autos mit Verbrennungsmotor?

Durch die unterschiedliche Bauweise von Elektroautos im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor ergeben sich zwangsläufig andere Anforderungen an die Schmierstoffe. Dafür müssen Spezialschmierstoffe für E-Autos entwickelt werden.

Schmierstoffe für Elektroautos müssen folgende Eigenschaften haben:

  • Dielektrische Eigenschaften für Schmierstoffe in direktem Kontakt mit elektrischen Komponenten, um Kurzschlüsse und Funken zu vermeiden
  • Verträglichkeit mit verschiedenen Materialien wie Kupfer (hohe elektrische Leitfähigkeit) und polymeren Kabelummantelungen
  • Kühleigenschaften durch gute Wärmeabfuhr der elektrischen Energie
  • Verschleiß-, Oxidations- und Korrosionsschutz für das ganze System
  • Strikte Wasserabscheidung zur Vermeidung von elektrischen Überschlägen zwischen spannungsführenden Bauteilen

Es gibt aktuell noch keine allgemeinen Freigaben und Spezifikationen für die Schmierstoffe in E-Autos. Die unterschiedlichen Bauweisen der Elektrofahrzeuge erschweren eine Standardisierung zusätzlich. Daher sind die aktuellen Schmierstoffe für E-Autos auf bestimmte Anwendungsfälle individuell abgestimmt.

ADDINOL ETF Technologie Kupfersulfid
Mit dem falschen Öl kommt es an Kupferelementen zur Bildung von Kupfersulfid (li.), eine korrekte Additivierung verhindert das (re. Test mit ADDINOL ETF Technologie)

Die wichtigsten Schmierstellen im Elektroauto

Das Getriebe funktioniert bei Elektroautos weitgehend ohne Gangschaltung und ist nur ein- oder zweistufig. Im Getriebe von E-Autos können zeitweise sehr hohe Drehzahlen auftreten, die für eine erhöhte thermische und physische Belastung des Öls sorgen. Das Getriebeöl für Elektroautos benötigt daher eine hohe Hitzeresistenz und Robustheit.

Schmierfette werden im Elektromotor, in Nebenaggregaten und in der Zentralverriegelung eingesetzt. Sie müssen im E-Auto harten Bedingungen trotzen und z.B. im Wälzlager des Elektromotors hohe Temperaturen und Drehgeschwindigkeiten auffangen. Gleichzeitig müssen die Fette mit vielen Materialien wie Kupfer, Kunststoffen und Elektronikbauteilen verträglich sein.

Um die Akkus im Elektroauto funktional zu halten, ist ein gutes Kühlsystem unabdingbar. Zur Kühlung reichen Medien wie Luft und Wasser kaum aus. Daher werden derzeit erste Kühlflüssigkeiten für Elektroautos entwickelt, welche auf die besondere Bauweise der Akkuzellen ausgelegt sind.

Forschungsauftrag für Schmierstoffhersteller

ADDINOL stellt sich als Schmierstoffhersteller den neuen Herausforderungen der E-Mobilität und arbeitet Lösungen aus. Der gesteigerten Nachfrage für Elektroautos wird damit Rechnung getragen. Auch wenn aktuell noch wenige E-Autos das Straßenbild prägen, wird die Anzahl an Erstzulassungen in den kommenden Jahren steigen. Gerade in Städten wird mit einer Zunahme von Elektroautos gerechnet, wenn zeitglich die Zahl an Ladestationen angepasst wird. Sind die emissionsfreien Autos aktuell vor allem für Kurzstrecken zu gebrauchen, werden die Hersteller verstärkt daran arbeiten, die Reichweiten der Akkus zu erhöhen und die Ladezeiten zu senken. Wenn erst einmal E-Autos mit 600-800 Kilometer Reichweite unterwegs sein können und die Aufladung nur wenige Minuten dauert, werden die Elektroautos kaum noch wegzudenken sein. Einen Teil zu dieser Entwicklung werden auch die Schmierstoffhersteller beitragen. Effiziente und individuell formulierte Schmierstoffe können die Laufleistung der E-Autos verbessern, indem sie die Kraftübertragung optimieren, Hitze widerstehen und wichtige Bauteile kühlen. Die ersten Produkte von ADDINOL für E-Mobile sind bereits in Planung.

Ihr Ansprechpartner

Mayka Nehrkorn

Produktmanagerin Automotives