Wohin geht die Motorölreise?

Immer strengere Abgasvorschriften fordern immer wieder neue Schmierstoffe

Die Fahrzeughersteller schmeißen mit Ölfreigaben nur so um sich und Begriffe wie "Low-" und "Mid-SAPS-Öle" geistern durch Gazetten und Fachzeitschriften. Der europäische Motorölmarkt befindet sich in einer Phase grundlegender Veränderungen. Die Einführung neuer, immer strengerer EU-Emissionsnormen führt zwangsläufig zur Entwicklung neuer Motorentechnologien und Abgasnachbehandlungssysteme. Bekannte Beispiele sind Partikelfilter sowie aktuell NOx-Speicherkatalysatoren.

"Den Schmierstoffhersteller zwingt diese Technik dazu, das Konstruktionselement Motoröl in immer kürzeren Abständen anzupassen und neue Schmierstoffgenerationen zu entwickeln", beschreibt Sven Köhler, Produktmanager Automotive beim Schmierstoffanbieter Addinol, die Situation. Nur so sind die Fahrzeuge in der Lage, entsprechende Grenzwerte zuverlässig einzuhalten. So war die Euro-4-Norm der Auslöser für einschneidende Veränderungen in der Additivchemie von Motorölen. Die Ölhersteller haben neue Additivkomponenten entwickelt, die die stark gestiegenen motorischen Anforderungen sicher beherrschen und eine hohe Effizienz der Abgasnachbehandlungssysteme sicherstellen sollen.

Dieselpartikelfilter erlauben nur sehr geringe Mengen an Phosphor, Schwefel und Sulfatasche im Motoröl – diese Stoffe dienen als Verschleißschutz und Schmiermittel – andernfalls verstopfen sie. Bekannt sind die speziell für moderne Dieselmotoren mit DPF entwickelten Schmierstoffe als Low- oder Mid-SAPS-Öle (Öle mit niedrigem bis mittlerem Anteil an Sulfatasche, Phosphor und Schwefel). 

Neue europäische Ölnormen
Auch die europäische Motorölspezifikation ACEA berücksichtigt die neuen und höheren Anforderungen an Motoröle. Für Pkw wurden diese erstmals 2004 in einer separaten Norm, der ACEA C, definiert. Bis heute gibt es aufgrund unterschiedlicher Anforderungen der Fahrzeughersteller in der aktuellen Ausgabe der ACEA 2008 vier unterschiedliche Klassen: ACEA C1 bis C4. Sie unterscheiden sich in erster Linie hinsichtlich der zulässigen Anteile der zuvor beschriebenen Stoffe.

Das Gleiche gilt für die ACEA-Sequenz E für Nutzfahrzeuge. Die Normen ACEA E6 und aktuell ACEA E9 verlangen ebenfalls die Begrenzung aschebildender Substanzen. D.h. auch in diesem Bereich spielen die Low-SAPS-Motoröle eine immer größere Rolle.

Seit Kurzem noch stärker im Fokus der Verbraucher und damit der Fahrzeughersteller ist das Kraftstoffsparen und damit der Einfluss der Schmierstoffe auf eine Reduzierung innermotorischer Reibung. Hier spielt die Hochtemperatur-Hochscher-Viskosität (HTHS) eine wesentliche Rolle. Bei Ölen mit einem Wert ≤ 3,5 mPa*s spricht man von abgesenkter HTHS-Viskosität. Diese Öle sollen einen geringeren Kraftstoffverbrauch ermöglichen. Sie können aber nur in Motoren verwendet werden, die für deren Einsatz konzipiert sind.

Die Folgen der sich verschärfenden Anforderungen an das Motoröl: Die speziellen Freigaben der Pkw-Hersteller werden weiter zunehmen und die Zahl der Spezialöle für einzelne Modelle bzw. Hersteller wird weiter steigen. "Low-SAPS-Motoröle werden in Zukunft dominieren, insbesondere mit Blick auf bevorstehende Euronormen gibt es kaum Alternativen", so Köhler.

ADDINOL
Addinol (Additives in Oil) war eine der bekanntesten Marken der DDR und stand für eine breite Palette an Schmierstofferzeugnissen. Nach der Wiedervereinigung und einem Neuanfang bietet das Traditionsunternehmen aus Sachsen-Anhalt heute wieder Qualitätsschmierstoffe, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen.
Aktuelles Beispiel: ADDINOL Mega Power MV 0538 C4 SAE 5W-30. Das Öl, das das Unternehmen speziell für den Einsatz in modernen Renault-Dieselmotoren mit Abgasnachbehandlungssystemen entwickelt hat, entspricht der ACEA-Norm C4-08 und ist freigegeben nach Renault RN0720.

Artikel erschienen in kfz-betrieb 6/2010 (für Artikel hier klicken)