Ölquelle

Alle Pkw und Zweiräder mit Kontaktzündung und Schmierfilz benötigen für die Reibpaarung Nocken/Unterbrechernase ein hochviskoses und additivfreies Öl. Nach rund 20 Jahren Pause ist Unterbrecheröl nun wieder lieferbar. Die Geschichte der Entdeckung einer Lagerstätte.

Rückblende: DDR-Werkstattalltag in den 1980er Jahren. Simson, MZ, Trabant, Wartburg und Barkas. Natürlich auch Nutzfahrzeuge sowie einige, nicht nur osteuropäische Importe bis hin zu Citroën GSA und BX, Mazda 323, Volvo 244 und VW Golf. Die Zweiräder und Pkw aus einheimischer Produktion haben eine Gemeinsamkeit: Ihr Zweitakt-Ottomotor besitzt meist eine mechanisch gesteuerte Zündung – Elektronikzündungen sind noch selten – und diese einen Schmierfilz. Verkaufsbezeichnung: Filzwischer. Der Filz versorgt die Reibpaarung Nocken/Unterbrechernase mit Schmiermittel, einem Öl mit sehr hoher Viskosität und frei von jeglichen Additiven. Für Werkstattprofis in 100-Milliliter-Gebinde und für Endverbraucher in kleine Tuben abgefüllt, hält der Ölvorrat relativ lang, denn pro Fahrzeug wird nur eine winzige Menge benötigt. Vergisst man nach der Einstellung der Zündung den Filz zu ölen und/oder mittels Langloch auf eine passende Position zum Nocken einzustellen, steht das Fahrzeug nach einigen hundert Kilometern erneut in der Werkstatt. Insbesondere dann, wenn Unterbrecher mit hellem Kunststoff- statt mit dunkelbraunem Pertinax-Körper eingebaut wurden. Letztere sind wesentlich verschleißfester.

Zurück zur gesamtdeutschen Gegenwart. Auch große Vorräte sind irgendwann aufgebraucht. Nachschub? Fehlanzeige. Ironie der Geschichte: Während der Planwirtschaft war Unterbrecheröl zumindest gelegentlich erhältlich, nach dem Wechsel zur Marktwirtschaft gar nicht mehr. Und das, obwohl noch viele DDR-Zweitakter unterwegs sind und auch jede Menge Klassiker aus der nicht sozialistischen Welt Kontaktzündung und Schmierfilz besitzen.

Andere Öle sind ungeeignet
Nebenbei bemerkt: Zündanlagen, bei denen ab Werk auf den Schmierfilz verzichtet wurde, sind auf den Betrieb mit Unterbrecherfett abgestimmt; das Fett wird direkt auf den Nocken aufgetragen. Mit anderen Worten: Alle Klassiker mit Kontaktzündung und Schmierfilz, egal ob letzterer in einem separaten Halter aus Blech oder an der Spitze der Verteilerwelle sitzt, benötigen hochviskoses und additivfreies Unterbrecheröl. Motor-, Getriebe- oder Achsöle sind für diesen Einsatzzweck zu dünnflüssig, stellen weder eine dosierte Abgabe noch die bei geringen Kurbelwellendrehzahlen geforderte Hydrodynamik sicher. Bedeutung: Beim Starten und Abstellen des Motors reißt der Schmierfilm, der Unterbrecher läuft trocken auf dem Nocken. Hinzu kommt, dass im Öl enthaltene Additive den Kunststoffkörper des Unterbrechers angreifen können. Schmierfett ist ebenfalls keine Alternative, denn es verseift mit der Zeit und verhärtet den Filz. Nach Unterbrecheröl befragt, wissen Vertreter etablierter Schmierstoffanbieter meist nicht, worum es geht, zucken auch nach der Erklärung mit den Schultern. Kein Schulterzucken im März 2009 bei Addinol in Leuna in Sachsen-Anhalt. "Wir haben einige Fässer mit Unterbrecheröl im Lager, stellen aber den Abfüllaufwand in Frage, weil man das zähflüssige Öl hierzu erhitzen muss und wir vor Ort keine derart kleinen Mengen abfüllen können", antwortet der Anwendungstechniker Frank Merbitz.

Füllmenge: zwölf Milliliter
Von asp Klassik auf die mögliche Alleinstellung im Markt hingewiesen, wurden Frank Merbitz und Kollege Heiko Stephan bereits nachdenklicher. Wenige Wochen später traf bei asp Klassik in München der Prototyp eines neuen Gebindes ein – Addinol-Forschungs- und Entwicklungs-Chef Jürgen Deckert hatte sein Okay gegeben.

Seit Sommer 2009 ist Unterbrecheröl U1500 wieder Teil des Addinol-Produktprogramms. MZA Meyer-Zweiradtechnik-Ahnatal, ein langjähriger Vertriebspartner des Schmierstoffherstellers, nahm bereits einige hundert Einheiten ab. Abgefüllt wird das Schmiermittel in Mini-Gebinde in Kugelschreiber-Größe (Füllmenge: zwölf Milliliter). Über zwei seitliche Druckpunkte lässt sich die Entnahmemenge exakt dosieren – eine saubere Sache. Der Haken: Von der Idee, das alte Produkt in neuer Verpackung als asp Klassik-Unterbrecheröl zu vertreiben, waren die Addinol-Mitarbeiter nicht zu überzeugen.

Empfehlungen
… für die korrekte Schmierung der Reibpaarung Nocken/Unterbrechernase in Zündverteilern und auf Unterbrecherplatten:
►  Kontaktzündung mit Schmierfilz: Unterbrecheröl
► Kontaktzündung ohne Filz: Unterbrecherfett

Unterbrecheröl U 1500
► Entwicklung, Herstellung und Vertrieb: ADDINOL Lube Oil GmbH, www.addinol.de
► Vertriebspartner für Klassiker-Produkte: MZA Meyer-Zweiradtechnik-Ahnatal
GmbH, www.mza-portal.de

Erschienen in aspKlassik Ausgabe September 2009 (für Artikel hier klicken)